from the Berliner MorgenPost 09/09/04
Von Verena Dauerer
Manchmal ist man einfach zur falschen Zeit am falschen Ort. Manchmal kann das auch beabsichtigt sein,
wenn die Performance-KŸnstlerin Heidi Mortenson nach ihrem Konzert die Zuschauer in ihrer Irritation zurŸcklŠsst.
Ende Januar: Das Medienfestival Transmediale lŠdt zum feierlichen Eršffnungsabend. Zur Einstimmung gibt es eine Darbietung
von Heidi Mortenson mit der finnischen Lichtgestalterin Solu - und ein akustischer Tornado fegt Ÿber die irritierten
FestgŠste hinweg.
Mortenson, eine DŠnin mit langen, dunkelblonden Haaren, betritt in Zwangsjacke und langen Unterhosen die BŸhne.
Mit dem Sampler zerschreddert sie wuchtig laute Beats. Am Mikrofon imitiert Mortenson verschiedene Beats.
Zu allem fŸhrt die KŸnstlerin eine Art wilden Rumpelstilzchentanz auf, springt auf das
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DJ-Pult, auf dem ihre GerŠtschaften positioniert sind. Auf dem Tisch stehen ein umgebauter Telefonhšrer, ein DiktiergerŠt,
Walkie-Talkies und ein flaches GerŠt, auf der Oberseite zwei kreisrunde Glaswšlbungen, die wie BrŸste aussehen.
†ber denen tanzt sie ruckartig wie beim Break Dance, zuckt und dirigiert mit HŠnden und FŸ§en die Zusammenstellung der
Samples.
Heidi Mortenson, PerfomancekŸnstlerin und Neu-Berlinerin, sitzt in einem Kreuzberger CafŽ und erzŠhlt Ÿber ihre Reisen
in den letzten Jahren. Vor ein paar Monaten zog die 29-JŠhrige in die Stadt und jettet seitdem zwischen Berlin und
Barcelona hin und her, wo sie die letzten siebeneinhalb Jahre wohnte. Heidi studierte in Kopenhagen Modern Dance und
Choreografie, bevor es sie nach Italien zog und dann in acht verschiedene StŠdte Europas.
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UrsprŸnglich hatte Mortenson Akkordeon und Klavier gespielt, ein bisschen auf der Gitarre gezupft und sich am
Songschreiben versucht. "Das fŸhrte aber nie weiter, weil ich nicht richtig spielen konnte", erzŠhlt sie. Eine Weile
musizierte sie in Barcelona in einer "futuristischen Folk Band", die sich aus Frustration auflšste, da sich kein
Schlagzeuger fand. "Vor ungefŠhr fŸnf Jahren fing ich an, auf elektronische Art Musik zu machen." Also begann sie mit
dem Zerhacken von Beats und Samples, wŠhrend sie mit dem Kopf in einer Waschmaschine sang.
Mittlerweile steht sie bei Konzerten nicht mehr mit dem Instrument, dafŸr in den Unterhosen ihres Vaters auf der BŸhne.
Die Jacke ist eine Zwangsjacke. "Die passt zur Musik. Ich spiele gern mit den Zuschauererwartungen, denn wer so Musik macht,
denken die dann, muss durchgeknallt sein", sagt sie und lacht.
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Ihre Auftritte sind immer spontan und ohne Konzept. Sie macht, was ihr in den Sinn kommt.
Der Derwischtanz mit den zwei Glasscheiben klŠrt sich so auf: Sie nennen sich Air Fix und Air Synth und reagieren auf
Handbewegungen, um Sounds, beziehungsweise Effekte zu steuern. Heidi hatte es sich von den Kolleginnen von
Chicks on Speed geborgt, weil ihr Computer kurz vor dem Auftritt zusammengebrochen war. Morgen wird sie wieder in das
Mikrofon schreien, diesmal zum EinjŠhrigen des King Kong Clubs. "High Speed Dictaphone Beat Boxing" nennt sie das,
wobei sie ihr AbspielgerŠt rŸckwŠrts in doppelter Geschwindigkeit laufen lŠsst und ihm so fremde Zischellaute entringt.
Zischel-Punk kšnnte man das nennen.
Heidi Mortenson, Fuck You und Mitte DJ-Team: King Kong Club, Brunnenstr. 173, Mitte. Freitag, 21 Uhr.
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